Im nordindischen Bikaner steht ein gewöhnungsbedürftiges Heiligtum: der Rattentempel von Bikaner. Wer sich vor Ratten ekelt, sollte um den Karni-Mata-Tempel nahe Bikaner in Nordindien einen weiten Bogen machen. Denn in diesem hinduistischen Heiligtum leben rund 20.000 der kleinen Nager! Anderswo wäre das Grund genug, den Kammerjäger zu rufen. Hier werden die Nager als wiedergeborene Seelen verehrt.

Kuriose Pilgerstätte

Gläubige bringen den Tieren Futter und versuchen die besonders seltenen weißen Ratten anzulocken – sie sollen Glück bringen. Den Tieren wird Milch und Futter gebracht, ein Paradies für die kleinen Nager. Wie alle hinduistischen Heiligtümer betritt man auch den Karni-Mata-Tempel ohne Schuhe. Wer Berührungsängste hat, kann immerhin seine Socken anbehalten, soweit kommt man Touristen entgegen. Wem eine Ratte über den Fußrücken läuft, der darf sich freuen: Das bringt ebenfalls Glück. Wer allerdings versehentlich auf eine Ratte tritt und sie tödlich verletzt, ist verpflichtet, sie zu begraben und dem Tempel eine Ratte aus Gold darzubringen.

Religiöser Hintergrund des Rattentempels

Wie der Name bereits verrät ist der Tempel Karni Mata gewidmet. Doch wer war Karni Mata und warum leben die Ratten hier wie im Paradies? Karni Mata ist die Reinkarnation der Göttin Durga. Bereits zu Lebzeiten galt sie als Heilige. Der Legende nach bat ein Fürst sie darum, seinen verstorbenen Sohn zurückzubringen. Doch der Totengott Yama weigerte sich die Seele des verstorbenen Kindes herauszugeben, denn diese war bereits wiedergeboren. In ihrer Enttäuschung schwor Karni, dass kein Mitglied des Stammes das Reich des Totengottes betreten würde, stattdessen sollten sie als Ratten wiedergeboren werden. Daher rührt der Glaube um die Heiligkeit der Ratten. Allerdings gelten nur die Ratten im Tempel als heilig.

Dieser Tempel ist nun wirklich nichts für Hygienefreaks. Was denkt Ihr über diese Kuriosität in Indien?